Hambo, Abba und Nudelsalat

Vom 5. Bis 9. August war es wieder so weit: Die Europeade – ein Festival für ca. 6000 Volkstänzer und Musiker aus 26 Ländern – fand im schwedischen Helsingborg am Øresund statt.

Mit jeder zurückgelegten Seemeile auf der Fähre von der dänischen Schwesternstadt Helsingør mit Blick auf das sonnige Helsingborg wuchs die Vorfreude auf die kommenden Tage.

In der riesigen Arena der Stadt bekamen wir nicht nur unser „Europeade-Starter-Paket“, mit wichtigen Utensilien wie Essensmarken und einem Teilnehmerarmband, sondern auch einen ersten Eindruck von unserem späteren Auftrittsort. Die überdachte Arena mit 5000 Sitzplätzen und großen LED-Bildschirmen ließ die Aufregung vor der Vorführung steigen. Zum Abendessen gab es dann leckere Köttbullar, was den Auftakt zu einer Reihe wirklich schmackhafter Mahlzeiten bildete. Danach galt es die Unterkunft zu beziehen. Der Schlafplatz entpuppte sich als ein Schulcontainer mit zwei Klassenräumen, Bädern und Küchen nur für uns Winsener, die wir zu einer heimeligen Entspannungszone an den lauen und sehr langen Sommerabenden machten. Am Donnerstag erkundeten wir die Stadt auf unserer Suche nach Auftrittsplätzen.

Unsere Band „FolkWin“ war heißbegehrt und absolvierte bravourös mehrere Auftritte. Doch auch wir Tänzer stellten unser Können unter Beweis und wurden am zentralen „Knutpunkten“ mit Applaus belohnt. Wie die Polka zum deutschen Volkstanz gehört, so gehört Hambo zu Schweden und daher durfte ein Workshop dazu nicht fehlen. Zur Stärkung gab es danach Lunchpakete mit gesundem Nudelsalat, der zu einem täglichen Ritual wurde und uns fortan immer an die Europeade 2015 erinnern wird.

Am Abend stand die große Eröffnungsfeier an, auf der wir mit verschiedenen Gruppen aus Niedersachsen ein eigens für diesen Auftritt kreierten Tanz aus unterschiedlichen norddeutschen Tänzen zeigten. Die Stimmung war sehr gut und der Beifall groß. Star des Abends war aber der Moderator Albin Ganovic, ein Travestie- und Showstar des Helsingborger Nachtlebens, der mit seinem speziellen Charme durch diesen und die weiteren Abende führte. Nachdem der offizielle Teil beendet wurde, spielten verschiedene Gruppen noch Musik und luden alle Begeisterten zum Tanz ein.

Am Freitag stand der Umzug aller Teilnehmer durch die Stadt an. Ein kurzer Regenschauer konnte die fröhliche Stimmung des bunten Wurms, der seinen Weg entlang der Strandpromenade zog, nicht brechen. Auch die Sonne ließ sich anstecken und zeigte sich am Abend in voller Pracht bei einem wundervollen Sonnenuntergang. Dies bildete die perfekte Kulisse für einen musikalischen Abend am Henry Dunkers Plats.

Der Samstag war unser freier Tag und wurde von verschiedenen Grüppchen zu unterschiedlichen Unternehmungen genutzt. Begünstigt wurde dies dadurch, dass alle mit Teilnehmerband die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen konnten. Helsingborg bot mit seiner Fußgängerzone einen guten Platz für Shoppingtouren. Der Stadtstrand lud zum Sonnen und Füßebaden ein und verführerische Eisdielen warteten mit himmlischem Eis. Eine Gruppe besuchte auch das Naturreservat Kullaberg, das mit seiner Steilküste und rauen Natur beeindruckte. Am Abend tauchten dann jedoch wieder alle in den Trubel ein und tanzten ausgelassen auf dem Europeade-Ball. Dabei wurde der ein oder andere Ohrwurm aufgeschnappt, der keinen mehr still stehen ließ.

Mit dem Sonntag brach schon der letzte Tag an. Doch bevor eine wehmütige Stimmung aufkommen konnte, wurde noch genug Unterhaltung geboten. In der hübschen Sankta Maria Kyrka feierten Teilnehmer aus allen Regionen Europas einen musikalischen Gottesdienst, bei dem mit Kanelbullar (schwedischen Zimtschnecken) auch an das leibliche Wohl gedacht wurde. Den Abschluss der Europeade, welche wie einer Aneinanderreihung von Feiertagen wirkte, bildete die große Abschlussveranstaltung. Bei dieser konnten wir noch einmal Musik und Tanz aus ganz Europa bewundern. Besonders schön war der gemeinsame Auftritt aller Kindergruppen zu „Waterloo“ von Abba. Ein letztes Mal feierten wir mit allen Teilnehmern ein buntes Fest und stürmten nach der formellen Übergabe der Europeade Fahne, welche traditionell das Ende darstellt, die Bühne. Lange bunte Schlangen aus Trachtenträgern bildeten ein Kaleidoskop aus Tanz und Freude, sowie ein wenig Wehmut.

Am nächsten Morgen reisten wir mit einem lachendem und einem weinenden Auge ab. Etwas wurde jedoch deutlich: VIELFALT ist EINS in Tanz und Musik. Und mit diesem Schluss freuen wir uns auf die nächste Europeade.

 

von Melanie Hacker